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Krankheitsbilder

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Krankheitsbilder in der Neonatologie

Asphyxie Sauerstoffmangel unter der Geburt. In der Folge kann es zu Funktionsausfällen und Untergang von Gewebe verschiedener Organe kommen. Das Gehirn lässt sich teilweise vor den Folgen einer Asphyxie schützen, wenn die Körpertemperatur nach der Geburt für drei Tage um 3-4 Grad gesenkt wird.
Atriumseptumdefekt (ASD) Öffnung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens.
Ductus arteriosus Verbindung zwischen der Aorta (Körperschlagader) und der Pulmonalarterie (Lungenschlagader). Vor der Geburt fließt durch den Ductus Blut aus der Pulmonalarterie in den Körper, weil es in der Lunge noch nicht gebraucht wird. Nach der Geburt verschließt sich der Ductus normalerweise innerhalb weniger Stunden. Bei Frühgeborenen kann sich dieser Verschluss verzögern; dann fließt weiterhin Blut durch den Ductus, aber in die entgegen gesetzte Richtung, d.h. aus der Körperschlagader in die Lungenschlagader. Das kann zu einer Überflutung der Lunge führen, die die Atmung beeinträchtigt. Oft kann durch die Gabe von Fiebermedikamenten (Ibuprofen, Indomethacin, Paracetamol) ein Verschluss des Ductus erreicht werden, in schweren Fällen kann er durch eine kurze Operation verschlossen werden.
Duodenalatresie Angeborener Verschluss des Zwölffingerdarms, manchmal durch eine ringförmig angelegte Bauchspeicheldrüse.
Frühgeborenen-Retinopathie Netzhautschädigung bei Frühgeborenen infolge unordentlich wachsender Netzhautgefäße. Diese wachsen erst 6-8 Wochen vor dem normalen Geburtstermin bis an den Netzhautrand, bei Frühgeborenen ist dieses Wachstum oft gestört. Die unordentlich wachsenden Gefäße verursachen im Extremfall eine Netzhautablösung mit nachfolgender Erblindung. Dies lässt sich verhindern, indem Netzhautgefäße mit einem Laser verödet oder das Wachstum der Gefäße durch eine Medikamenteninjektion normalisiert wird. Bei allen Frühgeborenen, die mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g auf die Welt gekommen sind oder längere Zeit zusätzlichen Sauerstoff benötig haben, etwa im Rahmen einer Beatmung, wird regelmäßig, wenn sie mindestens einen Monat alt sind, mit wiederholten augenärztlichen Untersuchungen das Gefäßwachstum der Netzhaut kontrolliert. Eine Laser-OP oder Medikamenteninjektion benötigen allerdings nur wenige der Kinder.
Gastroschisis Vorderer Bauchwanddefekt, meist seitlich rechts des Nabels, durch den die Bauchorgane austreten können, meistens der Darm. Die Bauchorgane liegen frei im Fruchtwasser und können dadurch angegriffen werden. Bei zunehmender Verdickung der Darmwände oft vorzeitige Schnittentbindung ca. 1 Monat vor dem errechneten Termin. Operativer Verschluss des Bauchdeckendefekts innerhalb der ersten 8 Lebensstunden, nachdem die herausgetretenen Organe in den Bauch zurück sortiert worden sind. Ist kein Bauchdeckenverschluss möglich, kann ein Kunststoffflicken eingenäht werden (sog. Patch).
Hernie Unter einer Hernie versteht man den Durchtritt von Baucheingeweiden durch eine Öffnung (Bruchpforte). Die häufigsten Hernien sind Leistenhernien: Hier lässt sich zwar der Darm meist vorsichtig zurück schieben, er rutscht aber fast immer nach kurzer Zeit wieder durch den Leistenkanal heraus - dann hilft nur die (ungefährliche) Operation. Selten sind Nabelhernien (harmlos) und Zwerchfellhernien (werden meist schon vor der Geburt durch Ultraschalluntersuchungen entdeckt; größere Zwerchfellhernien können lebensbedrohlich sein und müssen in den ersten Lebenstagen operiert werden).
Hirnblutung Bei Frühgeborenen können feine Blutgefäße, die sich am Rande der sog. Ventrikel (Seen mit Hirnwasser) befinden, bei oder kurz nach der Geburt einreißen. Dadurch kommt es zu einer Blutung in die danebenliegenden Ventrikel. Das ausgetretene Blut befindet sich also nicht im eigentlichen Hirngewebe, sondern im Hirnwasser. Trotzdem kann es das danebenliegende Gehirn in Mitleidenschaft ziehen, vor allem, wenn das geronnene Blut den Abfluss des Hirnwassers beeinträchtigt. Zeigt sich eine solche Abflussbehinderung, kann man das geronnene Blut mit Hilfe eines operativen Eingriffs hinaus spülen.
Hochfrequenz-Oszillationsbeatmung Eine Form der maschinellen Beatmung von Neugeborenen mit sehr hohen Atemfrequenzen (600 /Minute). Die Hochfrequenzbeatmung erlaubt dem Neugeborenen zusätzlich eigene Atembewegungen mit seiner eigenen Frequenz (rund 40-60 /Minute).
Hydrozele Ansammlung von klarer Flüssigkeit um die Hoden herum, harmlos.
Hydrozephalus (hydro= Wasser; cephalus= Kopf) Entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss von Hirnwasser. Das Hirnwasser wird benötigt, um das Gehirn vor Stößen gegen den Schädelknochen zu schützen. Es wird in speziellen Quellen erzeugt, die sich im Inneren des Gehirns befinden. Von dort aus fließt das Hirnwasser zunächst in kleine Seen (die sog. Ventrikel) und dann durch ein Kanalsystem nach draußen, wo es gebraucht wird. Ist das Abflusssystem z.B. durch Blutgerinnsel verstopft, werden die Ventrikel (Hirnwasserseen) größer. Beim Neugeborenen kann das Gehirn ausweichen, da die Schädelknochen noch nicht zusammengewachsen sind. Bei größeren Kindern, wo das nicht mehr möglich ist, kommt es hingegen zu sogenannten Hirndruckzeichen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Berührungs-, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit.
Hyperbilirubinämie Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute, bedingt durch eine erhöhte Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Gewebe. Bei Neugeborenen ist dies in der ersten und zweiten Lebenswoche normal, über die Hälfte aller Kinder ist davon betroffen. Die höchsten Bilirubinwerte finden sich zwischen dem 3. und 6. Lebenstag. Bei sehr hohen Bilirubinwerten kann der gelbe Farbstoff allerdings giftige Wirkungen entfalten. Deshalb müssen die Bilirubinwerte in bestimmten Abständen gemessen werden, sind sie zu hoch, muss das Kind behandelt werden. Die Behandlung ist in den meisten Fällen glücklicherweise recht einfach und besteht im Wesentlichen aus blauem Licht.
Ileus Darmverschluss, Störung oder Aufhebung der Darmpassage.
Infektion Neugeborene haben wenig Erfahrung mit Bakterien, weil sie im Mutterleib davor weitestgehend geschützt sind. Alle Babys werden während oder nach der Geburt auf der Haut und den Schleimhäuten mit Bakterien besiedelt, ohne dadurch krank zu werden. In seltenen Fällen dringen die Bakterien aber in das Blut oder die Lungen des Kindes ein, was eine Abwehrreaktion des Körpers auslöst. Beim Kampf gegen die Bakterien unterstützen wir das Kind durch die Gabe von Antibiotika. Gelingt es Bakterien vor der Geburt, ins Fruchtwasser vorzudringen, können dies vorzeitige Wehen und somit eine Frühgeburt auslösen. Erste Anzeichen einer Infektion bei einem Kind sind eine erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe), erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie), erhöhte Temperatur, eine stöhnende Atmung oder eine veränderte Hautfarbe (Blässe). Die Diagnostik erfolgt mittels Blutentnahme und Abstriche, um Entzündungsparameter, Blutbild und Erreger festzustellen. Wenn notwendig erfolgt ein Röntgenbild von der Lunge, um eine Lungenentzündung auszuschließen. Ist das Kind älter als drei Tage, wird eine Lumbalpunktion nötig, um Gehirnwasser (Liquor) zu entnehmen. Bakterielle Infektionen werden über einen intravenösen Zugang (Plastikschlauch in der Vene) mit Antibiotika behandelt. Virale Infektionen sind bei Neugeborenen vergleichsweise selten, nur wenige spezielle Viren werden medikamentös behandelt.
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte LKGS ist eine häufige angeborene Fehlbildung der Mundpartie. Manchmal tritt die Spaltbildung zusammen mit anderer Fehlbildung auf, meistens sind die anderen Organe aber ganz gesund. Die Kinder mit LKGS können häufig, trotz der Spalte, gestillt werden, wobei die weiche Brust die Spalte abdichtet. Um Mund- und Nasenraum richtig zu trennen, wird eine Gaumenplatte eingesetzt. Damit können die Kinder nach Hause entlassen werden, die operativen Korrektur-Operationen werden erst im Alter von einigen Monaten durchgeführt. Vor der Einschulung sind die meisten Kinder nahezu vollständig rehabilitiert, d.h. es liegt ein weitgehend unauffälliges Aussehen vor.
Mekoniumaspiration Vor der Geburt befindet sich im Darm eine klebrig-zähe, geruchslose Masse, die als Kindspech oder Mekonium bezeichnet wird. Die Entleerung des Mekoniums aus dem Darm beginnt normalerweise am ersten Tag nach der Geburt. Setzt das Kind schon vor der Geburt Mekonium ab, kann es über Fruchtwasser in die Atemwege gelangen. Durch die ersten Atemzüge des Kindes nach der Geburt kann es von dort in tiefere Lungenabschnitte gelangen und diese verstopfen. Daraus resultiert das sog. Mekoniumaspirationssyndrom.
Mekoniumileus Ist ein Darmverschluss, der durch die Verstopfung mit zähem, klebrigem, fetalen Stuhl (Mekonium) bedingt wird.
NEC (Nekrotisierende Enterokolitis) Die NEC ist die häufigste Ursache für das akute Abdomen bei Frühgeborenen < 1500 g, beginnend meist 3.-10. Lebenstag. Ursachen sind in einer primären oder sekundären Infektion zu suchen oder Vorschädigungen der Darmwände infolge einer Minderperfusion.
Omphalocele Ist eine Hemmungsfehlbildung der Bauchdecke mit Lage des Darms oder manchmal auch der Leber in der Nabelschnur. Dies folgt auf eine unvollständige Rückbildung des physiologischen Nabelschnurbruchs. Die Bauchorgane sind mit einer dünnen Membran in einem dünnen Säckchen nach außen gestülpt. Die Operation erfolgt ähnlich wie bei einer Gastroschisis.
Pneumothorax Eintritt von Luft in den Zwischenraum zwischen Lunge und Brustwand.
Präeklampsie auch "Schwangerschaftsvergiftung"genannt. Ursache der Präeklampsie ist eine kranke Plazenta, d.h, die Präeklampsie geht von einem Organ des Kindes aus. Betroffen sind Mutter und Kind: Bei der Mutter kommt es zu erhöhtem Blutdruck (Hypertonie), vermehrter Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) und Wassereinlagerungen (Ödeme). Bei der gefährlichsten Variante der Präeklampsie kommt es zu einer Leberschädigung mit gleichzeitigem Zerfall von roten Blutkörperchen und Abfall der Blutplättchen (sog. HELLP-Syndrom). Beim Kind kommt es durch die kranke Plazenta zu einer Unterversorgung, so dass es immer schlechter wächst und im Extremfall das Wachstum ganz zum Erliegen kommt. Die kranke Plazenta, von der die Präeklampsie ausgeht, lässt sich nicht heilen, so dass früher oder später die Notwendigkeit besteht, das Kind durch einen Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen. Bei der Mutter klingen die Symptome der Präeklampsie danach innerhalb weniger Tage ab, das Kind ist ab der Geburt von der Plazenta unabhängig und bekommt die für das Wachstum erforderlichen Nährstoffe dann zunächst über eine Infusion, danach über steigende Mengen Milch.
Rhesus-Inkompatibilität Wenn eine Mutter und ihr ungeborenes Kind verschiedene Blutgruppen haben - was durchaus häufig der Fall ist - kann es bei bestimmten Konstellationen passieren, dass Antikörper aus dem Blut der Mutter in den kindlichen Kreislauf gelangen und mit roten Blutkörperchen des Kindes reagieren. Besonders problematisch ist das, wenn eine Mutter die Blutgruppe Rhesus-negativ hat und ihr Kind Rhesus-positiv ist. Deshalb bekommen alle Rhesus-negativen Schwangere in der Schwangerschaft vorsichtshalber eine Spritze, die verhindert, dass die Mutter gegen Rhesus-positive rote Blutkörperchen Antikörper bildet. Nach der Geburt wird nachgesehen, ob das Kind Rhesus-positiv ist, wenn ja, bekommt die Mutter eine erneute Spritze, die verhindert, dass sie gegen Rhesus-positive rote Blutkörperchen Antikörper bildet - diese könnten bei der nächsten Schwangerschaft Probleme machen. Antikörper gegen rote Blutkörperchen können diese zerstören, die Folge ist eine Blutarmut des Kindes, verbunden mit einem raschen Anstieg des Bilirubins. In schweren Fällen benötigen solche Kinder schon vor der Geburt eine Transfusion, nach der Geburt muss das Blut mit den übertragenen Antikörpern evtl. ausgetauscht werden.
RSV (Respiratory- Syncytial-Virus) Das RSV führt, vor allem in den Wintermonaten, zu Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen) bei Säuglingen und Kleinkindern. Meistens sind diese Atemwegserkrankungen harmlos, in einigen Fällen ist aber eine Krankenhausbehandlung erforderlich.
Sepsis Lässt sich bei einer Infektion der Erreger im Blut nachweisen, spricht man von einer Sepsis (Blutvergiftung). Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, oft sind zusätzliche Maßnahmen, wie Beatmung, Transfusionen oder kreislaufunterstützende Medikamente erforderlich.
Volvulus Drehung eines Darmabschnitts um die Achse der Gefäßversorgung, kann den Blutfluss zu diesem Darmabschnitt strangulieren.
Vorzeitige Plazentalösung Teilweise oder vollständige Ablösung der normalsitzenden Plazenta (Mutterkuchen) vor der Geburt des Kindes. Da das Kind, solange es noch nicht selber atmen kann, für seine Sauerstoffversorgung zu 100% auf die Plazenta angewiesen ist, stellt eine vorzeitige Plazentalösung einen absoluten Notfall dar – das Kind muss sofort per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden.
Zwerchfelllücke, Zwerchfellhernie Vor der Geburt entstandene Lücke im Zwerchfell, das normalerweise Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Durch die Lücke können Baucheingeweide (Darm, Magen, Leber) in den Brustraum eindringen und das Wachstum der Lunge beeinträchtigen. Dadurch ist die Lunge bei der Geburt zu klein, und das Kind kann damit nicht ausreichend atmen. Die meisten Neugeborenen mit Zwerchfelllücke müssen nach der Geburt intensiv beatmet werden, der operative Verschluss der Zwerchfelllücke erfolgt normalerweise mit 2-3 Tagen.